30.05.2024
ANGEDACHT

Pfingsten – Ende der Sprachlosigkeit

Als Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, auch zwei Menschen erschuf, gab er ihnen auch eine Sprache – etwas, was nur Menschen zur Verständigung bekamen. So konnten sich die Menschen untereinander besser als alle Tiere verständigen und mit ihrem Schöpfer im Gespräch sein und bleiben. Es kam aber schnell zu Sprachstörungen, als die Menschen gegen Gottes Gebot handelten und von der verbotenen Frucht aßen. Danach hatten sie beide ein schlechtes Gewissen und versteckten sich im Gebüsch. Der Herr wusste zwar, wo sie sich verkrochen hatten, aber er fragte sie trotzdem: „Adam, wo bist du?“ Ob er wollte oder nicht, er musste Gott eine Antwort geben. So gab er seine Nacktheit zur Ausrede und dass er es ja eigentlich nicht gewollt hat, aber die Frau, die du mir beigestellt hast, gab mir davon und so habe auch ich gegessen! Ist doch schön, wenn man eigene Schuld, eigenes Versagen, eigene Sünden anderen Menschen zuschreiben kann. Ja, es ist ein Grundübel der Menschheit: Nicht ich, die oder der andere ist an der Misere schuld. Die Folgen haben aber alle zu tragen; Verweis aus dem Paradies und aus Gottes unmittelbarer Nähe. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen. Dornen und Disteln werden dir/euch und allen Nachfahren die Arbeit erschweren!“

Schon in der nächsten Generation gab es Sprachprobleme: Die Söhne Kain und Abel hatten ihre Berufung gefunden: Kain wurde Ackerbauer, Abel Hirte – aber man beäugte einander. Kain fühlte sich von Gott benachteiligt, weil sein Opferrauch nicht zum Himmel stieg sondern ihm in die Nase. Da wurde ihm heiß und er blickte wütend zum Boden und sann nach Rache. Auch er überhörte die warnende Stimme Gottes. „Wenn du rechtes tust, darfst du aufblicken, wenn du aber falsches tust, lauert die Sünde vor deiner Tür.“ Er wollte oder konnte nicht auf Gottes Stimme hören, sondern erschlug wortlos seinen unschuldigen Bruder. Aber auch hier eine dumme, feige Ausrede: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Ein Aufschrei Gottes bis in unsere Zeit in Ländern, die statt zu reden Kriege anzetteln, Städte, Dörfer zerstören, unschuldige Menschen weltweit abschlachten. Der Aufschrei Gottes: „Was hast du getan?“ Das Blut deines Bruders schreit zu mir aus den Schützengräben, den Ruinen, auch unseren Dörfern und Städten, wo Kinder Kinder ermorden, wo Eheleute sprachlos werden und es zu Prügeleien und Morden kommt!

Dabei hat es Gott, der Geber allen Lebens, immer wieder versucht, mit Menschen im Gespräch zu bleiben. Auch bei Noah – Sintflut und Neubeginn mit einer Familie, die gottesfürchtig ist. Es gibt einen Neuanfang. Ich will hinfort die Erde nicht mehr zerstören um der Menschen Willen. Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Gott schließt einen neuen Bund mit Noah. Gott segnete sie und sprach: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“

Diese Aussagen gelten bis heute, trotz der nächsten Katastrophe (Gen. 11). Hier wurde ihnen die Sprache zum Verhängnis: Sie sprachen zueinander: „Auf, bauen wir eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze bis zum Himmel ragt und machen wir uns einen Namen, der uns stark macht!“ Aber der Herr griff in ihre Sprachenwelt ein und verwirrte sie, so dass keiner mehr den anderen verstand. So wurden ihr Bau, ihr Hochmut zerstört und der Zusammenhalt brach auseinander – man ging auseinander, keine gemeinsamen Aktionen mehr. In Gebieten, Ländern verteilt entstanden viele Sprachen und es dauerte lange, bis diese unterschiedlichen Sprachen verständlich gemacht werden konnten.

Das Thema Sprachenverwirrung und Sprachlosigkeit ist aber bis in unsere Tage geblieben. Und dennoch hat Gott eine neue einheitliche Sprache geschenkt, sie kam mit seinem Sohn in diese Welt: Er brachte die Sprache der Liebe vor 2024 in sein Volk, den Nachkommen Abrahams, Jakobs, dem Volk Israel. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn in diese Welt hineingab, auf dass alle, die an ihn glauben, gerettet werden.“ – die Sprache zum Schöpfer und Vater wiederfinden. Drei Jahre zog er mit seinen Jüngern durchs Land und verkündete die Liebe Gottes, die allen Menschen gilt – auch den Zolleintreibern, Ausländern, Soldaten und besonders den Kindern. „Denn Gott ist die Liebe und wer in dieser Liebe lebt, bleibt bei Gott und Gott in ihm.“ Diese Liebe kostete Jesus das Leben, aber auch hier noch: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Und 50 Tage nach der Auferstehung war diese Jüngerschar zum Erntefest im Tempel versammelt, als es „über sie kam“ – sie predigten öffentlich von der Liebe Gottes und dem Erlöser dieser geschundenen Welt – Jesus. Ein ziemliches Stimmengewirr soll es gewesen sein, die einen spotteten: „Die sind ja besoffen“, andere hörten aber genau hin, sie waren hörfähig und sprachfähig. Hier war die Sprache Gottes zu hören. Eine Sprache, die zusammenführte und nicht zerstreute.

Pfingsten – Gott beendet die Sprachlosigkeit und schafft Neues. 3000 Menschen ließen sich taufen – eine neue Gemeinschaft – Kirche nennen wir diese bis heute – obwohl auch da nicht alles gottgewollt lief und läuft. Viele Kirchen, Gemeinschaften, Freikirchen und Sekten entstanden. Auch in diesen Kirchen gab es Veränderungen, Erneuerungen – eine Reformation mit Martin Luther, zu der wir uns rechnen. Durch Studieren der Heiligen Schrift und besonders des Römerbriefs hatte er erkannt: „Nicht religiöse Riten und finanzieller Ablasshandel sichern einen gnädigen Gott, denn der Mensch wird allein vor Gott gerecht durch Glauben, den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus.“ Mit seinem Opfer hat er die Gerechtigkeit geschenkt, die vor Gott gilt und zählt. Dies wurde durch Pfingsten damals deutlich.

Die Frage an uns ev. Kirchenmitglieder in Mühlberg und Umgebung: „Hat das Wort Gottes in unseren Gemeinden und Familien noch einen Wert? Wollen wir nicht nur Traditionen pflegen – sondern endlich wieder Kirche leben mit Worten der Liebe und Taten der Barmherzigkeit?“ Auch in unseren Gemeinden gibt es viele Sprachschwierigkeiten und Sprachlosigkeit unter Gemeindemitgliedern. Es wird mancherorts mehr negativ übereinander gesprochen als versöhnend und liebevoll miteinander. Deshalb kann ich den heiligen, guten Geist Gottes nur bitten: Schenke auch uns hier den Pfingstgeist, mit der klaren Sprache Gottes, die Gemeinde aufbaut und nicht zerstört, damit auch bei uns wieder Menschen getauft werden und auch Ausgetretene zur christlichen Gemeinschaft zurückfinden. „Der Herr schenke uns, wie den Jüngern damals, eine neue Sprache zu ihm und untereinander.“

Ich möchte schließen mit einem Lied von Pfr. und Prof. Philipp Spitta 1833:

Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Ihr/Euer Kurt Martin