14.01.2022
Gedanken zum Sonntag 2. Sonntag nach Epiphanias

Gedanken zum Sonntag: 2. Sonntag nach Epiphanias – 16. Januar 2022

Lernt Gutes zu tun,

sorgt für Gerechtigkeit,

haltet die Gewalttätigen in Schranken,

helft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht!

(Jesaja 1,17)


Liebe Gemeinde,

es gibt Ereignisse von historischer Bedeutung, an die man sich gerne zurückerinnert. An den 9. November 1989 etwa, den Tag des Berliner Mauerfalls. Oder an die erste Mondlandung am 20. Juli 1969. Und am 20. Januar 2009 wurde der erste Farbige Präsident der USA, Barack Obama.

Es gibt aber auch Daten, die man gern hinter sich lassen würde und die doch nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Dazu zählt der 20. Januar 1942, der sich nun zum achtzigsten Mal jährt. An diesem Tag fand in einer Villa in Berlin eine Besprechung statt, die als „Wannseekonferenz“ in die Geschichte eingegangen ist.

Es trafen sich Spitzenbeamte verschiedener Ministerien sowie hohe Funktionäre der NSDAP zu einer Besprechung. Ziel der Zusammenkunft war die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ und die dazu erforderliche Koordination der beteiligten Behörden. Die Konferenz dauerte nur neunzig Minuten; dann war die geplante Ermordung von Europas elf Millionen Juden organisatorisch abgesprochen. Innerhalb der Runde regte sich kein Widerstand gegen den monströsen Mordplan. Diskussionsbedarf gab es höchstens in Detailfragen.

Die große Einmütigkeit unter den Teilnehmern hatte zweifellos damit zu tun, dass alle Antisemiten waren. Sie hatten die nationalsozialistische Denkweise verinnerlicht, dass die Juden an allem schuld seien, auch am Krieg.

Mit dieser Überzeugung standen sie keineswegs allein. Die Propaganda der Staatsführung war auch bei vielen anderen Menschen nicht ohne Wirkung geblieben. So entfachte eine Frau in Stuttgart einen Tumult, weil sie einer betagten, gehbehinderten Jüdin ihren Sitzplatz in der Straßenbahn überließ. Sie wurde von Mitreisenden dermaßen heftig beschimpft, dass der Schaffner auf offener Strecke hielt und beide Frauen zum Aussteigen zwang. In Wien stürzte ein Versehrter des Ersten Weltkrieges mit seiner Beinprothese auf vereistem Gehweg. Drei Stunden lang bat er die vorbeieilenden Passanten vergebens, ihm aufzuhelfen. Niemand tat es, sei es aus Ablehnung oder aus Furcht. Schließlich drohten jedem, der Personen mit gelbem Stern in der Öffentlichkeit half, drei Monate Lagerhaft.

Umso bemerkenswerter ist es, dass es trotzdem Menschen gab, die Juden halfen, wo sie nur konnten. Da gab es die Gemüsehändlerin, die dem alten Herrn verstohlen Tomaten oder Zwiebeln zusteckte – Sorten, die für Juden verboten waren. Da gab es die Friseurin, die heimlich ins Haus kam, weil Juden der Besuch im Frisiersalon untersagt war. Andere besorgten Lebensmittelkarten oder falsche Papiere. Besonders genannt zu werden verdienen diejenigen, die verfolgten Juden Unterschlupf gewährten.

Insgesamt gab es nach vorsichtigen Schätzungen über zehntausend dieser „stillen Helden“ in Deutschland.

Die Wannseekonferenz gehört zum finstersten Kapitel deutscher Geschichte. Aber wenn ich an sie denke, denke ich zugleich auch an Menschen, die sich dem Ungeist dieser Zeit in Wort und Tat widersetzten. Menschen mit Ehrfurcht vor dem Leben. Menschen, die ernst gemacht haben mit dem Appell aus der Bibel:

„Lernt Gutes zu tun, sorgt für Gerechtigkeit, haltet die Gewalttätigen in Schranken, helft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht!“ So steht es beim Propheten Jesaja.

Und solche Menschen sind es, die Mut machen – auch uns heute. Zugleich verpflichten sie uns aber auch, wachsam zu sein gegenüber allen menschenverachtenden Neigungen und Denkweisen. Damit sich solche Konferenzen wie die vom 20. Januar 1942 nie mehr wiederholen.

Bleiben wir aufmerksam und beten wir darum, dass Gott uns führt, wie wir uns verhalten können, wenn uns ähnliches begegenet!

Das wünscht uns allen Ihre Pfarrerin Sabrina Pieper


Gebet

Barmherziger Gott, wenn in unserer Zeit Hass und Gewalt bereitschaft zunehmen, mache du uns Mut, nach Kräften für Gerechtigkeit einzutreten.

Stärke uns zu einem Handeln, das von Rücksicht und Nächstenliebe geprägt ist.

Lenke uns dazu mit deinem guten Geist. Amen


Lied

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