30.01.2024
Musikschulen öffnen Kirchen

Wo man fröhlich singt, da lass dich nieder,

denn böse Menschen haben keine Lieder.

Nun ist die Martinskirchener in diesem Jahr die dritte Kirche in unserer Region nach Burxdorf und Mühlberg, die sich geöffnet hat bzw. geöffnet wurde und sogar zum ersten Mal. Eine wertvolle und angenehme Tradition hat Fuß gefasst. Das ist auch an der guten Besucherzahl zu erkennen. Und es ist nach wie vor sehr erfreulich, dass es junge Menschen gibt, die sich der Musik widmen, egal ob der Vokal- oder Instrumentalmusik.

Vokalmusik gab es dieses Mal nicht, aber man konnte ja die Töne der Instrumente auch als „Gesang der Instrumente“ interpretieren. Musikstücke des Namensgebers dieser Musikschule, der Gebrüder Graun, können von den Schülerinnen und Schülern wohl nur selten gespielt werden, weil diese hohes interpretatorisches Können erfordern. Und im Übrigen kann die Musik, außer dass sie einem gefällt, noch andere sehr nützliche Effekte hervorrufen. Sie kann beruhigen, die Abwehrkräfte stärkende Wohlfühleffekte hervorrufen und mitunter sogar heilen. Auch ist bekannt, dass das Musizieren besonders bei jungen Menschen hilft, die kognitiven Fähigkeiten stärker auszubilden. Ich habe junge Menschen gekannt, die beim Musizieren ihren inneren Stress abbauen konnten.

Die Kirche war gut gefüllt, und es wurde von den 17 darbietenden Musikschülern und -schülerinnen ein umfangreiches Programm geboten. Einige von ihnen haben auch bei den Darbietungen in Burxdorf und Mühlberg mitgewirkt, so auch das „Elsterquartett“. Die jüngste Schülerin war ganze drei Jahre alt, und sie musizierte auf einer besonders kleinen Violine, die man für ein Spielzeug gehalten hätte. Ihr etwas älterer Bruder begleitete sie ebenfalls auf der Violine. Es war eine Freude zu hören und zu sehen, mit welcher Begeisterung beide bei der Sache waren. Eine weitere kleine Schülerin war dabei und man konnte erleben, dass die Leistungen aller beachtlich gewesen sind. Bei den Ältesten war dann schon Sicherheit und ein wenig Professionalität zu spüren. Das Publikum spendete allen immer reichlich Beifall. Es ist durchaus zu erkennen, dass hier die Grundlagen für einige spätere Virtuosen gelegt werden.

Das traditionelle Musikinstrument in der Kirche ist bekanntlich die Orgel. Mozart bezeichnete sie als die Königin der Instrumente.

Fast alle Kirchen besitzen eine, die mehr oder weniger wertvoll ist. Dazu fehlt heute meist ein Organist. Man ersetzt ihn neuzeitlich oft mit Musik aus der digitalen Konserve. Es gibt aber auch Kirchen ohne Orgel, z. B. die russisch-orthodoxen. Dort musiziert die menschliche Stimme, in einem Männer- bzw. Frauenchor – auch eine wunderbare Musik. Diese Kirchen bieten noch eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Bänke. Man soll sich auf den Gottesdienst konzentrieren und dieser kann mit vielen Wiederholungen drei Stunden dauern. Es ist nicht üblich, die ganze Zeit zu bleiben, was ein ständiges Kommen und Gehen zur Folge hat.

Zurück zur Martinskirchener Kirche, eine der ältesten unserer Region.

Die ursprüngliche Kirche ist wahrscheinlich zwischen 1190 und 1210 erbaut worden.

Im Dachraum wurde eine Zeitmarke mit der Datierung von 1194 oder 1197 gefunden. Die Chronik von Max Lindau berichtet 1835 vom Neubau der Orgel für 600 Taler, 1839 vom Einbau dreier neuen Glocken und 1923 vom Guss eines neuen Dreiergeläutes F-A-C in Dresden. Die jetzige Kirche erhielt ihre Gestalt lt. Urkunde 1699 und die erste Kirche hat „unstrittig“ dem Ort seinen Namen gegeben und dieser gehörte ab 1272 zum Nonnenkloster in Mühlberg. 1904 wurde der Turm repariert und in Apolda ein neues Dreiergeläut gegossen. An den Innenwänden existierten noch Reste von weniger schönen Malereien. Es befanden sich auch in der Nähe des Taufsteins zwei Reihen zweisitziger Bänke für Frauen. Die nebenstehenden Bilder zeigen die Kirche um1697 von Süden und den von-Wehlenschen Altar mit Kanzel sowie die Orgel von 1836. Von einem Kantorei- oder Frauenchor wird nichts berichtet bzw. gab es so etwas nicht und eine Musikschule sowieso nicht. Ist doch irgendwie schade – oder? Da freuen wir uns, dass wir so etwas heute haben und sollten deren Darbietungen auch besuchen.

Claus-Peter Grobe